Ich bin umgezogen

Ana_Kelston
Warten auf den Oscar (Bild: Ana Kelson/flickr) ©A.M.P.A.S.®

Liebe Oscar-Fans, dieses Jahr begleite ich das Oscar-Rennen auf tvspielfilm.de
Das Oscar-Special findet Ihr hier. Viel Spaß

 

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Ang Lees dritter Oscar?

Der Trailer zu einem der größten frühen Oscar-Favoriten ist draußen: „Billy Lynn’s Long Halftime Walk“ von Academy-Liebling Ang Lee (Oscars für „Brokeback Mountain“ und „Life of Pi“). Der Trailer riecht nach Pathos und Hurra-Patriotismus, während die Romanvorlage (auf deutsch „Die irre Heldentour des Billy Lynn“) als Satire auf alles, was Amerika heilig ist, gilt. Warten wir mal, was letztlich hinten rauskommt, man soll ja ein Buch nicht vom Cover her beurteilen.

 

Der nächste Oscar wird schwarz!

Man muss kein Prophet sein um vorauszusehen, dass nächstes Jahr mehr „schwarze“ Filme (was auch immer das sein soll) und afroamerikanische Filmschaffende nominiert sein werden.

Schließlich geht auch nicht weniger als im letzten Rennen (nämlich null). Außerdem sollte nach dem OscarsSoWhite-Skandal jedes Mitglied der Academy für das Thema sensibilisiert sein, außerdem wird die Zusammensetzung der Academy neu strukturiert.

Aber, was fast noch gewichtiger ist: In der neuen Oscar-Saison starten einige gewichtige Filme mit „schwarzen“ Themen, an denen man nicht vorbeikommen wird.

Letztes Jahr gab es mit Idris Elba in „Beasts of no Nation“ schließlich nur eine starke „schwarze“ Rolle, die unbedingt hätte nominiert werden müssen und mit „Straight outta Compton“ nur einen Film, über den man als „besten Film“ zumindest diskutieren konnte.

Birth of a Nation Schauspieler Nate Parker (ein Afroamerikaner, just to say so) erzählt in seinem Langfilmdebüt von dem realen Sklavenaufstand in Virginia im Jahre 1831 unter der Führung Nat Turner, den Parker selbst spielt. Der Filmtitel sagt schon fast alles: Es soll ein Gegenentwurf zu dem gleichnamigen Klassiker von D.W. Griffith (1915) werden, der berüchtigt rassistischen Gründungslegende des Ku Klux Klan.

Loving In dem nächsten Film des (weißen) „Take Shelter“-Regisseurs Jeff Nichols geht es um eine schwarze Frau (gespielt von Ruth Negga) und einen weißen Mann (Joel Edgerton) die 1958 wegen ihrer Eheschließung in Virginia ins Gefängnis müssen. Hochbrisanter Stoff mit einer Geschichte (Liebe gegen alle Widerstände), die nach Oscar brüllt.

Fences Denzel Washington verfilmt mit sich und der zweifach Oscar-nominierten Viola Davis in den Hauptrollen das viel gespielte Theaterstück des afroamerikanischen Autors August Wilson, das 1987 den Pulitzer Preis und einen Tony Award (der „Oscar“ der Theaterbranche) gewann.

Moonlight Auch diesem Film liegt ein Theaterstück zugrunde, „In Moonlight Black Boys Look Blue“ von Tarell Alvin McCrany. Es geht um einen jungen Afroamerikaner, der während des „War on Drugs“ im Miami der 80er-Jahre erwachsen wird.

Queen of Katwe Endlich die erste große Hauptrolle für Nebenrollen-Oscar-Gewinnerin Lupita Nyong’o („12 Years a Slave). Sie spielt eine junge Frau aus Uganda, die Schachweltmeisterin werden will.

Zumindest „Birth of a Nation“, „Loving“ und Viola Davis sollten eine Nominierung jetzt schon sicher haben. Was passiert wenn nicht, will man sich noch nicht vorstellen…

Tippliste

Meine endgültigen Tipps für heute Nacht

Film: Spotlight

Regie: The Revenant

Hauptdarsteller: The Revenant

Hauptdarstellerin: Raum

Nebendarsteller: Creed

Nebendarstellerin: Danish Girl

Animationsfilm: Alles steht Kopf

Kamera: The Revenant

Kostüme: Cinderella

Dokumentation: Amy

Schnitt: The Big Short

Fremdsprachiger Film: Son of Saul

Makeup: Mad Max

Musik: Hateful Eight

Song: Hunting Grounds

Ausstattung: Mad Max

Ton: Mad Max

Tonmischung: The Revenant

Visuelle Effekte: Mad Max

Originaldrehbuch: Spotlight

Adaptiertes Drehbuch: The Big Short

Kurzfilm: Ave Maria

Kurzfilm animiert: Sanjays Super Team

Kurzdoku: Body Team 12

Oscar-Kategoriencheck: Bester Film

So spannend und wechselhaft war das Rennen um den „besten Film“ selten. Mit „The Big Short“, „The Revenant“ und „Spotlight“ haben gleich drei Filme sehr gute Chancen. Das Trio teilte im Vorfeld die wichtigsten Preise, die als Indikator für den Oscar gelten, einigermaßen gleichwertig unter sich auf.

„Spotlight“ ist gesellschaftlich am relevantesten  und mit seiner Message, dass Menschen durch Mut und Beharrlichkeit etwas ändern können, klassisches Oscar-Material, auch wenn die Academy in den letzten Jahren immer weniger berechenbar in dieser Hinsicht war. Der Film gewann u.a. den SAG-Award für das beste Schauspielensemble, eine Kategorie die es beim Oscar nicht gibt, aber in den „besten Film“ einfließt.

„The Big Short“ trat relativ spät ins Oscarrennen ein, gewann dann aber u.a. den Hauptpreis der Produzentengilde, normalerweise ein sicherer Oscar-Vorbote. Der Film ist ein großer Wurf mit kleinen Schwächen und pessimistischer Botschaft, es kann sein, dass viele Voter eher für einen „kleineren“, runden Film stimmen.

„The Revenant“ gewann neben dem wichtigen British Film Award den Golden Globe als bestes Drama, was ihn eigentlich zum Oscarfavorit machen sollte, in den letzten Jahren stimmten jedoch beide Jury selten überein. Für den Film spricht, dass er die meisten Nominierungen (12) auf sich vereint, darunter ein paar Überraschungen.

Die übrigen, chancenlosen Nominierungen:

Bridge of Spies

Brooklyn

Mad Max: Fury Road

Der Marsianer

Raum

Fazit: Es ist so eng wie noch nie, ich lege mich intuitiv auf „Spotlight“ fest.

Offizieller Tipp: Spotlight

Persönlicher Favorit: The Big Short

Oscar-Kategoriencheck: Regie

Adam McKay („The Big Short“): Mit Einfallsreichtum, Mut zum Think Big und Sinn für Tempo und Timing schafft es McKay, aus der Finanzkrise eine griffige Satire zu machen.

George Miller („Mad Max: Fury Road“): Mit extremem logistischen und choreografischen Aufwand schafft Miller einen der besten Actionfilmen aller Zeiten, der auch noch politischen Tiefgang besitzt.

Alejandro Gonzalez Inarritu („The Revenant“): Der Vorjahressieger glänzt wie schon bei „Birdman“ mit langen Plansequenzen, originellen Bildeinfällen und wie in seinen frühen Filmen mit einem Gespür für Körper und Seele aufwühlendes Kino.

Lenny Abrahamson („Raum“): Der Überraschungsnominierte in dieser Kategorie, verdient im Rennen für seine Raumbehandlung und sensible Schauspielerführung.

Tom McCarthy („Spotlight“): Der Regisseur ordnet sich in dem inszenatorisch am wenigsten auffälligen Film im Feld völlig der Narration unter, treibt die Handlung intelligent und packend voran.

Fazit: Obwohl ihre Werke beim „besten Film“ gute Chancen haben, spielen McKay und McCarthy in dieser Kategorie kaum eine Rolle. Die Kollegen werden eher den enormen Aufwand und Wagemut von Inarritu oder Miller honorieren. Inarritu hat im Vorfeld die meisten Preise gewonnen, wäre aber erst der dritte Regisseur, der zweimal hintereinander siegt. Mal sehen, ob die Academy ihn tatsächlich so hoch schätzen.

Offizieller Tipp: The Revenant

Persönlicher Favorit: The Big Short